Neues aus Hannas Logbuch (6)

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Die Weltgesundheitsorganisation hat Sierra Leone “ebolafrei” erklärt

Endlich ist ein großer Schritt geschafft: Sierra Leone wurde am Samstag von der Weltgesundheitsorganisation frei vom Ebolavirus erklärt. In den letzten 42 Tagen gab es keinerlei Neuinfektionen mehr und auch in den Wochen zuvor gab es nur noch einzelne, isolierte Fälle. Vollständige Entwarnung ist das leider noch nicht, denn in Guinea gibt es weiterhin Fälle und die ursprüngliche Quelle des Epidemieausbruchs, die Überträgertiere wie Flughunde und einige Affenarten, sind weiterhin in der Region. Das zeigt unser letzter Fall in Sierra Leone, für den es immer noch keinerlei Informationen zur Infektionsquelle gibt, die Patientin könnte sich über den Kontakt mit den sogenannten Buschtieren oder deren Fäkalien angesteckt haben. Auch die Überlebenden, vor allem das Sperma der Männer, stellen weiterhin ein Ansteckungsrisiko und damit die Möglichkeit erneuter Ausbrüche dar. Viele vermuten, dass Ebola schon endemisch ist und wie Malaria, Typhus, Cholera und andere regionstypische Krankheiten immer wieder auftreten wird bzw. Ebola auch in den vergangenen Jahren schon in kleinen Ausbruchsherden auftrat, aber nicht erkannt wurde.

Unter den ausländischen NGO-Mitarbeitern gab es am Wochenende einige Feiern, unter vielen Einheimischen konnte sich aber keine richtige Freude breitmachen – Erleichterung schon, doch die Erinnerungen an die vielen schweren Monate sind erdrückend und auch die Zukunft ist nicht einfach. Für die vielen Waisen, die die Epidemie zurückgelassen hat, gibt es keine umfassende und schon gar keine langfristige Versorgungsstrategie und auch viele andere Probleme liegen brach. Dass es während der Epidemie auch Profiteure gab und so einiges an Geldern nicht ordnungsgemäß verwendet wurde, kommt immer deutlicher heraus. Leider wird die Aufklärungsarbeit von der Regierung und den Beamten verpolitisiert und bürokratisiert und kommt nicht voran. Auch das Gesundheitsversorgungssystem ist weiterhin gebrochen und es wird noch Jahrzehnte brauchen (wenn es überhaupt klappt) bis es eine vernünftige Grundversorgung für alle Bürger gibt.

Hanna Lütke Lanfer
Hanna Lütke Lanfer
Freie Journalistin, Übersetzerin und Werbetexterin, Projektgründerin, plant und begleitet alle Projekte, ehrenamtliche Mitarbeiterin
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